Das Wichtigste in Kürze
- KSV1870: Österreichs zentrale Auskunftei - deutsche Käufer haben dort meist keinen Score (weder positiv noch negativ)
- SCHUFA-Auskunft: Wird von österreichischen Banken ergänzend verlangt und ist für Deutsche der wichtigste Bonitätsnachweis
- Vergaberichtwerte: Max. 90 % Beleihungsquote, max. 40 % Schuldendienstquote, max. 35 Jahre Laufzeit - seit 1.7.2025 Empfehlung statt Verordnung
- Haushaltsrechnung: Banken berechnen das frei verfügbare Einkommen nach Abzug aller Lebenshaltungskosten
- Eigenkapital: Mindestens 20 % (besser 30 %) des Kaufpreises plus Nebenkosten für die beste Verhandlungsposition
- Selbstauskunft: Bei SCHUFA und KSV1870 nach Art. 15 DSGVO kostenlos - und entgegen einer verbreiteten Annahme nicht auf einmal pro Jahr begrenzt
- Konditionsanfrage statt Kreditanfrage: Wer beim Bankvergleich das falsche Merkmal setzen lässt, verschlechtert seinen Score ohne Not
- Verbesserungspotenzial: Saubere SCHUFA, stabiles Einkommen, hohes Eigenkapital und eine bestehende Bankbeziehung erhöhen die Zusagechancen erheblich
Der KSV1870 Score: Österreichs Bonitätssystem erklärt
Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV1870) ist Österreichs führende Wirtschaftsauskunftei und das direkte Pendant zur deutschen SCHUFA. Für österreichische Banken ist der KSV die erste Anlaufstelle bei der Bonitätsprüfung. Doch für deutsche Käufer stellt sich die Situation grundlegend anders dar als für Einheimische.
Wie funktioniert der KSV1870 Score?
Der KSV1870 sammelt Daten über das Zahlungsverhalten von Privatpersonen und Unternehmen in Österreich. Der Score basiert auf folgenden Informationen:
- Zahlungsverhalten: Pünktlichkeit bei Kreditraten, Rechnungen und Verbindlichkeiten
- Bestehende Kredite: Anzahl, Höhe und Art der laufenden Kredite
- Kontodaten: Girokonten, Kreditkarten und deren Nutzung
- Negative Einträge: Mahnverfahren, Inkassofälle, Insolvenzverfahren
- Demografische Merkmale: Alter, Wohnort, Berufsstatus
Der KSV1870 Score reicht von 100 (exzellente Bonität) bis 600 (sehr hohes Risiko). Je niedriger der Wert, desto besser die Kreditwürdigkeit. Für eine Immobilienfinanzierung erwarten österreichische Banken in der Regel einen Score unter 300.
Das Problem für deutsche Käufer: Kein KSV-Eintrag
Wenn Sie als Deutscher noch nie in Österreich gelebt, gearbeitet oder einen Kredit aufgenommen haben, existieren Sie beim KSV1870 schlicht nicht. Das bedeutet:
- Keine negative Einträge - das ist gut
- Keine positive Zahlungshistorie - das ist problematisch, denn es fehlt der Vertrauensbeweis
- Kein automatischer Score - die Bank kann keine standardisierte Risikobewertung durchführen
Die SCHUFA-Auskunft: Warum österreichische Banken sie verlangen
Da der KSV1870 für deutsche Käufer keine verwertbaren Daten liefert, greifen österreichische Banken auf die deutsche SCHUFA-Auskunft zurück. Sie ist für Deutsche der wichtigste Bonitätsnachweis und wird bei praktisch jedem Kreditantrag verlangt.
Was österreichische Banken in der SCHUFA suchen
| SCHUFA-Merkmal | Was die Bank prüft | Bewertung |
|---|---|---|
| SCHUFA-Score | Basisscore (0-100 %) | Ab 95 % gilt als sehr gut, unter 90 % wird kritisch |
| Bestehende Kredite | Anzahl und Höhe laufender Verbindlichkeiten | Weniger ist besser; offene Ratenkredite werden zur Belastung gerechnet |
| Zahlungsstörungen | Mahnbescheide, Inkassoverfahren, Kontokündigungen | Jeder Negativmerkmal senkt die Chancen erheblich |
| Kreditkarten | Anzahl der Kreditkarten und Konten | Zu viele gleichzeitige Kreditkarten sind nachteilig |
| Kreditanfragen | Anfragen mit Merkmal AK | Mehrere kurz hintereinander lesen sich wie eine Serie von Absagen. Konditionsanfragen (Merkmal KK) zählen nicht mit |
| Erledigte Einträge | Frühere negative Merkmale, die beglichen wurden | Werden nach 3 Jahren gelöscht; verringern den Score bis dahin |
Besonders wichtig: Österreichische Banken verstehen das deutsche SCHUFA-System sehr gut. Die großen Institute wie Erste Bank, Raiffeisen, Bank Austria und Hypo-Banken bearbeiten regelmäßig Kreditanträge deutscher Käufer und wissen die SCHUFA-Daten korrekt einzuordnen. Mehr dazu unter Finanzierung bei österreichischen Banken.
SCHUFA und KSV1870 im direkten Vergleich
Beide Auskunfteien machen dasselbe und funktionieren doch unterschiedlich - bis hin zur Leserichtung des Scores, die genau umgekehrt ist.
| Merkmal | SCHUFA (Deutschland) | KSV1870 (Österreich) |
|---|---|---|
| Gegründet | 1927 | 1870 |
| Score-System | Basisscore 0-100 % plus Branchenscores | RiskIndicator von 100 bis 700 - je niedriger, desto besser |
| Leserichtung | Je höher, desto besser | Je niedriger, desto besser |
| Zentrale Datenbank | Vertragsdaten, Zahlungsstörungen, Anfragen | KonsumentenKreditEvidenz (seit 1964) und Warnliste |
| Selbstauskunft | Datenkopie nach Art. 15 DSGVO, kostenlos | Eigenauskunft nach Art. 15 DSGVO, kostenlos |
| Grenzüberschreitend | Keine automatische Weitergabe nach Österreich | Keine automatische Abfrage der SCHUFA |
| Anfragearten | Konditionsanfrage (KK) und Kreditanfrage (AK) getrennt | Keine vergleichbare öffentliche Unterscheidung |
Die letzte Zeile der Tabelle ist der Grund, warum Sie selbst aktiv werden müssen: Die beiden Systeme tauschen keine Daten aus. Ihre österreichische Bank sieht Ihre deutsche Zahlungshistorie nur, wenn Sie sie vorlegen.
Die Warnliste des KSV
Neben der Kreditevidenz führt der KSV1870 eine Warnliste, in die Banken Kunden mit erheblichen Zahlungsproblemen melden - etwa bei missbräuchlich verwendeten Karten oder bei nicht abgedeckten Überziehungen. Erfasst werden nur Beträge ab 1.000 Euro. Für deutsche Erstantragsteller ist die Liste in aller Regel leer, sie erklärt aber, warum österreichische Banken bei einem KSV-Treffer besonders zurückhaltend reagieren.
CRIF als zweite Auskunftei
Nicht jede österreichische Bank fragt den KSV1870 ab. Manche nutzen die CRIF GmbH, Teil einer internationalen Gruppe mit Sitz in Bologna, die vergleichbare Bonitätsauskünfte und Scorings anbietet. Für Sie ändert das wenig: Wer nie in Österreich geschäftlich aktiv war, ist auch bei CRIF nicht erfasst. Eine kostenlose Selbstauskunft nach Art. 15 DSGVO ist auch dort möglich, für deutsche Erstantragsteller aber selten ergiebig.
Selbstauskunft: was Ihnen kostenlos zusteht
Art. 15 DSGVO gibt Ihnen das Recht, von jeder Auskunftei eine Kopie der über Sie gespeicherten Daten zu verlangen - kostenlos. Bei der SCHUFA heißt dieses Dokument Datenkopie, beim KSV1870 Eigenauskunft.
Praktisch läuft es so ab:
- Antrag stellen - bei der SCHUFA online über das Formular für die Datenkopie, beim KSV1870 über dessen Auskunftsformular.
- Identität nachweisen - in der Regel per Ausweiskopie.
- Frist abwarten - die DSGVO gibt der Auskunftei einen Monat; der KSV1870 nennt für die Zustellung per E-Mail oder Einschreiben vier Wochen.
- Prüfen - Zeile für Zeile auf erledigte Forderungen, aufgelöste Konten, Namensverwechslungen und veraltete Negativmerkmale.
- Korrektur verlangen - mit Belegen bei der Auskunftei und beim ursprünglichen Gläubiger, der die Meldung veranlasst hat.
Der letzte Punkt ist der wichtigste. Fehlerhafte Einträge sind kein Randphänomen, und eine falsche offene Forderung kostet Sie im Zweifel die Finanzierung - nicht weil die Bank streng wäre, sondern weil sie den Eintrag nicht von einem echten unterscheiden kann.
Löschfristen: wann ein Eintrag verschwindet
Für die Bonitätsprüfung entscheidend ist nicht nur, was gespeichert ist, sondern wie lange. Bei der SCHUFA gelten diese Fristen:
| Eintrag | Speicherdauer | Sichtbar für andere Banken |
|---|---|---|
| Kreditanfrage (Merkmal AK) | 12 Monate | 10 Tage |
| Konditionsanfrage (Merkmal KK) | 12 Monate | gar nicht, nur Sie sehen sie |
| Laufender Kredit | 3 Jahre nach vollständiger Rückzahlung | ja |
| Erledigte Zahlungsstörung, Inkasso | 3 Jahre nach Erledigung | ja |
| Titulierte Forderung | 3 Jahre nach Ausgleich | ja |
| Vermögensauskunft (eidesstattliche Versicherung) | 3 Jahre | ja |
| Restschuldbefreiung nach Privatinsolvenz | 6 Monate | ja |
| Aufgelöstes Konto | zeitnah nach Meldung der Auflösung | - |
Konditionsanfrage statt Kreditanfrage
Wenn Sie mehrere Banken vergleichen - und das sollten Sie, weil die Institute seit dem Auslaufen der KIM-Verordnung unterschiedlich entscheiden -, hängt viel an einem Merkmal, das Sie selbst bestimmen können.
- Konditionsanfrage (Merkmal KK): score-neutral. Sie wird zwar zwölf Monate gespeichert, ist aber für keine andere Bank sichtbar. Genau dafür ist sie gemacht.
- Kreditanfrage (Merkmal AK): score-relevant und zehn Tage lang für andere Banken sichtbar. Mehrere davon in kurzer Folge lesen sich wie eine Reihe von Absagen.
Die drei Kennzahlen, an denen jede Finanzierung gemessen wird
Von August 2022 bis Juni 2025 setzte die KIM-Verordnung (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung) der Finanzmarktaufsicht (FMA) drei verbindliche Grenzwerte für Wohnimmobilienkredite. Sie ist am 30. Juni 2025 ausgelaufen. Seither stehen dieselben Werte im WIK-Rundschreiben der FMA und gelten als aufsichtliche Erwartung, nicht als Rechtsnorm. An der Rechenlogik der Bonitätsprüfung ändert das nichts: Fast alle Institute haben die Kennzahlen in ihre eigene Risikopolitik übernommen.
Die drei Säulen der Vergabeprüfung
| Kriterium | Grenzwert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Beleihungsquote (LTV) | Maximal 90 % | Mindestens 10 % Eigenkapital bezogen auf den Immobilienwert - plus Nebenkosten (ca. 10-12 %) |
| Schuldendienstquote (DSTI) | Maximal 40 % | Die monatliche Kreditrate darf maximal 40 % des verfügbaren Nettoeinkommens ausmachen |
| Maximale Laufzeit | 35 Jahre | Der Kredit muss innerhalb von 35 Jahren vollständig getilgt sein |
Was bedeutet das konkret für deutsche Käufer?
Ein Rechenbeispiel: Sie möchten eine Wohnung in Salzburg für 400.000 Euro kaufen.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Kaufpreis | 400.000 € |
| Nebenkosten (~10 %) | 40.000 € |
| Gesamtkosten | 440.000 € |
| Mindest-Eigenkapital (10 % vom Kaufpreis + Nebenkosten) | 80.000 € |
| Maximaler Kreditbetrag (90 % LTV) | 360.000 € |
| Monatsrate bei 4 % Zinsen, 30 Jahre | ca. 1.718 € |
| Mindest-Nettoeinkommen (DSTI 40 %) | ca. 4.295 € |
Abweichungen von den Richtwerten
Unter der Verordnung war die Abweichung ein hartes Kontingent: höchstens 20 % des Neugeschäfts, streng gemeldet und rasch ausgeschöpft. Seit Juli 2025 ist daraus eine Erwartung des Finanzmarktstabilitätsgremiums geworden, deren Einhaltung die Nationalbank quartalsweise erhebt. Der Ermessensspielraum der einzelnen Bank ist damit größer - und die Unterschiede zwischen den Instituten ebenfalls. Bewilligt werden Grenzfälle weiterhin bevorzugt bei exzellenter Bonität, hohem absolutem Einkommen, zusätzlichen Sicherheiten oder bestehender Geschäftsbeziehung. Als deutscher Neukunde ohne österreichische Bankhistorie lohnt es sich deshalb, mehrere Institute parallel anzufragen.
Die Haushaltsrechnung: So rechnen österreichische Banken
Neben Score und Verordnung ist die Haushaltsrechnung (Einnahmen-Ausgaben-Rechnung) der zentrale Baustein der Kreditprüfung. Österreichische Banken berechnen detailliert, ob Sie sich die monatliche Rate tatsächlich leisten können.
Typische Berechnung einer österreichischen Bank
| Position | Beispiel (Einzelperson) | Beispiel (Paar) |
|---|---|---|
| Nettoeinkommen | 3.800 € | 6.200 € |
| Sonderzahlungen (13./14. Gehalt, anteilig) | +633 € | +1.033 € |
| Gesamteinkommen monatlich | 4.433 € | 7.233 € |
| Lebenshaltungskosten (Pauschale) | −900 € | −1.400 € |
| Mietkosten / Wohnkosten | −0 € (entfällt bei Eigentum) | −0 € |
| Bestehende Kreditraten | −250 € | −350 € |
| Versicherungen & Vorsorge | −150 € | −250 € |
| Sonstige Verpflichtungen | −100 € | −150 € |
| Frei verfügbares Einkommen | 3.033 € | 5.083 € |
| Max. Kreditrate (abzgl. Sicherheitspuffer) | ca. 1.770 € | ca. 2.890 € |
Wichtig für deutsche Käufer: Wenn Sie in Deutschland wohnen bleiben und in Österreich eine Immobilie als Anlage oder Feriendomizil erwerben, rechnet die Bank Ihre deutschen Wohnkosten als laufende Belastung mit ein. Das reduziert den Spielraum erheblich. Bei deutschem Einkommen gelten zudem besondere Anforderungen.
Bonitätsprüfung im Vergleich: Österreich vs. Deutschland
Die Auskunfteien sind das eine, die Vergabepraxis das andere. Auch dort läuft es in Österreich anders als in Deutschland:
| Merkmal | Österreich (AT) | Deutschland (DE) |
|---|---|---|
| Regulierung Kreditvergabe | WIK-Rundschreiben der FMA (Empfehlung, seit 1.7.2025) | Wohnimmobilienkreditrichtlinie (Leitlinie) |
| Max. Beleihungsquote | 90 % (Richtwert der Aufsicht) | Ca. 80-100 % (bankabhängig) |
| Schuldendienstquote | Max. 40 % (Richtwert der Aufsicht) | Ca. 35-40 % (Empfehlung) |
| Max. Laufzeit | 35 Jahre (Richtwert der Aufsicht) | Keine gesetzliche Grenze |
| Eigenkapital Nebenkosten | Müssen aus Eigenmitteln stammen | Teilweise mitfinanzierbar |
| Haushaltsrechnung | Sehr detailliert, standardisiert | Bankabhängig, unterschiedlich streng |
| Sonderzahlungen | 13./14. Gehalt wird eingerechnet | Nur 12 Monatsgehälter üblich |
So verbessern Sie Ihre Bonität für österreichische Banken
Als deutscher Käufer starten Sie in Österreich quasi bei null - ohne KSV-Historie, ohne bestehende Bankbeziehung. Umso wichtiger ist es, die Faktoren zu optimieren, die Sie selbst beeinflussen können. Die vollständige Liste der Voraussetzungen für die Finanzierung finden Sie in unserem separaten Ratgeber.
Was Ihre Chancen verbessert vs. was sie verschlechtert
| Faktor | Positiv (verbessert Chancen) | Negativ (verschlechtert Chancen) |
|---|---|---|
| Eigenkapital | 30 % oder mehr des Kaufpreises plus Nebenkosten | Nur das gesetzliche Minimum (10 %), keine Reserven |
| SCHUFA-Score | Über 97 %, keine negativen Einträge, wenige offene Kredite | Unter 90 %, Mahnbescheide, viele Kreditkarten, häufige Anfragen |
| Einkommen | Unbefristeter Arbeitsvertrag, mindestens 1 Jahr beim Arbeitgeber, stabiles Gehalt | Probezeit, befristeter Vertrag, stark schwankendes Einkommen |
| Bankbeziehung | Bestehendes Konto bei der kreditgebenden Bank, regelmäßige Geldeingänge | Keinerlei Vorgeschichte, Erstantrag ohne Geschäftsbeziehung |
| Bestehende Schulden | Keine oder nur geringe laufende Kreditraten, Dispo nicht in Anspruch genommen | Mehrere laufende Ratenkredite, hohe Kreditkartenauslastung, Leasingverträge |
| Immobilie | Selbstnutzung, gute Lage, marktgerechter Preis, Wohnung oder Haus | Reine Kapitalanlage, abgelegene Lage, überteuert, Ferienimmobilie |
| Unterlagen | Vollständig, aktuell, gut aufbereitet - alle erforderlichen Unterlagen griffbereit | Lückenhaft, veraltet, unübersichtlich, Nachforderungen nötig |
Konkrete Maßnahmen vor dem Kreditantrag
- SCHUFA bereinigen: Fordern Sie Ihre Datenkopie an und lassen Sie fehlerhafte oder veraltete Einträge löschen - vor allem Restschuldbefreiungen, die älter als sechs Monate sind.
- Eigenkapital aufbauen: Sparen Sie mindestens 20-30 % des Kaufpreises plus Nebenkosten an. Details unter Eigenkapital richtig planen.
- Unnötige Kredite tilgen: Lösen Sie Ratenkredite, Dispokredite und Kreditkartenrahmen auf, die Sie nicht zwingend benötigen.
- Kreditkarten reduzieren: Kündigen Sie nicht genutzte Kreditkarten - jede offene Karte zählt als potenzielle Belastung.
- Bankbeziehung aufbauen: Eröffnen Sie frühzeitig ein Konto bei der anvisierten österreichischen Bank und leiten Sie regelmäßige Zahlungen darüber.
- Unterlagen vorbereiten: Stellen Sie alle erforderlichen Dokumente zusammen - die komplette Checkliste finden Sie unter Erforderliche Unterlagen.
Sonderfälle bei der Bonitätsprüfung
Selbstständige und Freiberufler
Selbstständige haben es bei der Kreditvergabe generell schwerer - das gilt in Österreich noch stärker als in Deutschland. Österreichische Banken erwarten von Selbstständigen:
- Mindestens 2-3 volle Geschäftsjahre mit stabilen oder steigenden Einkünften
- Einkommensteuerbescheide der letzten 2-3 Jahre (nicht nur BWAs)
- Höheres Eigenkapital - oft verlangen Banken 30-40 % statt der üblichen 20 %
- Konservative Einkommensberechnung: Banken setzen den Durchschnitt der letzten 3 Jahre an, nicht das beste Jahr
Die Kombination aus Selbstständigkeit und fehlendem KSV-Eintrag macht die Finanzierung für deutsche Freiberufler besonders anspruchsvoll. Eine umfassende Darstellung finden Sie unter Finanzierung für Selbstständige.
Grenzgänger (Pendler zwischen Deutschland und Österreich)
Grenzgänger, die in Deutschland wohnen und in Österreich arbeiten (oder umgekehrt), haben einen besonderen Vorteil: Sie verfügen in der Regel über ein österreichisches Einkommen, das die Bank direkt verifizieren kann, und bauen gleichzeitig eine österreichische Kredithistorie beim KSV auf.
- Einkommen in Euro: Kein Währungsrisiko, da beide Länder den Euro nutzen
- Österreichischer Arbeitgeber: Gehaltseingang auf österreichisches Konto ist ideal
- KSV-Eintrag: Durch bestehende Bankbeziehung und Kreditkarten wird eine positive Historie aufgebaut
- Steuerliche Besonderheit: Das Einkommen wird im Land der Tätigkeit versteuert - Details unter Doppelbesteuerungsabkommen
Doppelverdiener-Haushalte
Wenn beide Partner ein Einkommen beziehen, verbessert das die Ausgangslage erheblich:
- Beide Einkommen werden addiert - die Schuldendienstquote bezieht sich auf das gemeinsame Haushaltseinkommen
- Gesamtschuldnerische Haftung: Beide Partner haften für den gesamten Kredit - das erhöht die Sicherheit für die Bank
- Unterschiedliche Einkommensquellen: Ein deutsches und ein österreichisches Einkommen kann sogar vorteilhaft sein (Diversifikation)
- Achtung: Auch die SCHUFA-Auskünfte beider Partner werden geprüft - ein negativer Eintrag beim Mitantragsteller kann das gesamte Kreditgesuch gefährden
Deutsche mit Wohnsitz in Österreich vs. ohne Wohnsitz
Ob Sie in Österreich gemeldet sind oder nicht, hat erheblichen Einfluss auf die Bonitätsbeurteilung:
| Merkmal | Mit AT-Wohnsitz | Ohne AT-Wohnsitz (Wohnsitz in DE) |
|---|---|---|
| KSV-Eintrag | Wird nach und nach aufgebaut | In der Regel nicht vorhanden |
| Kontoführung | Problemlos bei jeder Bank | Nur bei ausgewählten Banken möglich |
| Kreditvergabe | Standardprozess | Komplexerer Prüfprozess, ggf. höherer Eigenkapitalbedarf |
| Nutzung der Immobilie | Eigenbedarf (bevorzugt) | Zweitwohnsitz oder Kapitalanlage (strenger bewertet) |
| Bankbeziehung | Leicht aufzubauen | Schwieriger, aber über Online-Banken möglich |
Was tun bei Ablehnung?
Eine Kreditablehnung ist kein endgültiges Urteil. Folgende Schritte können helfen:
- Ablehnungsgrund erfragen: Banken sind verpflichtet, den Grund mitzuteilen. Häufige Gründe: zu wenig Eigenkapital, DSTI-Quote überschritten, SCHUFA-Einträge.
- Andere Bank anfragen: Jede Bank hat eigene Bewertungsmaßstäbe. Eine Ablehnung bei Bank A bedeutet nicht automatisch eine Ablehnung bei Bank B. Sehen Sie sich an, welche Banken Deutsche finanzieren.
- Eigenkapital erhöhen: Oft reichen wenige Prozentpunkte mehr, um die Beleihungsquote unter die kritische Schwelle zu drücken.
- Mitantragsteller hinzunehmen: Ein zweites Einkommen kann die Schuldendienstquote deutlich verbessern.
- Finanzierung in Deutschland prüfen: Als Alternative kann auch eine Finanzierung über eine deutsche Bank für eine österreichische Immobilie in Frage kommen.
Häufig gestellte Fragen
Nein. Deutsche haben beim KSV1870 in der Regel keinen Eintrag - das bedeutet weder eine gute noch eine schlechte Bewertung. Die Bonität wird stattdessen primär über die SCHUFA-Auskunft, Einkommensnachweise und die Haushaltsrechnung beurteilt. Mit einem guten SCHUFA-Score (über 95 %), stabilem Einkommen und ausreichend Eigenkapital stehen die Chancen für eine Finanzierung gut.
Die Banken beleihen den Immobilienwert in der Regel zu höchstens 90 %, verlangen also mindestens 10 % Eigenkapital darauf. Da die Nebenkosten (ca. 10-12 %) aus Eigenmitteln gedeckt werden müssen, benötigen Sie real mindestens 20-22 % des Kaufpreises. Für die besten Konditionen und eine höhere Zusagewahrscheinlichkeit empfehlen wir 30 % oder mehr. Mehr Details unter Eigenkapital richtig planen.
Ja, und das sollten Sie auch tun. Fordern Sie frühzeitig Ihre Datenkopie an und lassen Sie fehlerhafte Einträge korrigieren. Tilgen Sie laufende Kleinkredite, kündigen Sie ungenutzte Kreditkarten und vermeiden Sie Kreditanfragen bei mehreren Banken gleichzeitig. Nutzen Sie stattdessen Konditionsanfragen (Merkmal KK), die den Score nicht belasten.
Die Schuldendienstquote (DSTI - Debt-Service-to-Income) gibt an, welcher Anteil Ihres Nettoeinkommens für Kreditraten aufgewendet wird. In Österreich liegt der Richtwert der Finanzmarktaufsicht bei maximal 40 %. Berechnung: Alle monatlichen Kreditraten (inkl. Nebenkosten wie Versicherung) geteilt durch das monatliche Nettoeinkommen. Bei einem Nettoeinkommen von 5.000 Euro dürfen die gesamten Kreditraten also maximal 2.000 Euro betragen.
Die Erteilung der Restschuldbefreiung wird seit 2023 nur noch sechs Monate gespeichert, vorher waren es drei Jahre. Die SCHUFA hat die Frist am 28. März 2023 selbst verkürzt, der Europäische Gerichtshof hat das am 7. Dezember 2023 bestätigt: Eine private Auskunftei darf die Information nicht länger vorhalten als das öffentliche Insolvenzregister. Ältere Einträge müssen gelöscht sein - prüfen Sie das in Ihrer Datenkopie.
Nein. Die Begrenzung auf einmal jährlich stammt aus dem alten Bundesdatenschutzgesetz und gilt seit 2018 nicht mehr. Art. 15 DSGVO gibt Ihnen ein Auskunftsrecht ohne jährliche Obergrenze; ein Entgelt darf die Auskunftei nur bei offenkundig unbegründeten oder exzessiven Anträgen verlangen. Achten Sie darauf, die kostenlose Datenkopie zu bestellen und nicht eines der kostenpflichtigen Bonitätsprodukte - für die Bank genügt die Datenkopie.
Die Konditionsanfrage (Merkmal KK) ist score-neutral und für andere Banken unsichtbar - sie ist für den Vergleich mehrerer Angebote gemacht. Die Kreditanfrage (Merkmal AK) wirkt auf den Score und ist zehn Tage lang für andere Banken sichtbar; mehrere kurz hintereinander lesen sich wie eine Serie von Absagen. Beide werden zwölf Monate gespeichert. Sagen Sie beim Vergleichsgespräch ausdrücklich, dass Sie eine Konditionsanfrage wünschen.
Ja. Die Richtwerte richten sich an die österreichischen Kreditinstitute, nicht an die Kreditnehmer, und gelten damit für jeden Wohnimmobilienkredit einer österreichischen Bank - unabhängig von Staatsbürgerschaft und Wohnsitz. Seit dem Auslaufen der KIM-Verordnung sind sie allerdings keine Rechtsnorm mehr, sondern eine Erwartung der Aufsicht, von der die Bank im begründeten Einzelfall abweichen darf.