Das Wichtigste in Kürze

  • Grunderwerbsteuer: Einheitlich 3,5 % in ganz Österreich - in Deutschland je nach Bundesland 3,5-6,5 %
  • Immobilienpreise: Viele Regionen (Steiermark, Kärnten, Oberösterreich) deutlich günstiger als vergleichbare deutsche Lagen
  • Steuervorteile: AfA 1,5 % bei Vermietung, Hauptwohnsitzbefreiung bei Veräußerung
  • Finanzierung: Ähnliche Zinssätze, aber variable Kredite üblicher - kostenlose Sondertilgungen häufiger
  • Nachteile: ImmoESt 30 % ohne Spekulationsfrist, in der Praxis rund 20 % Eigenkapital nötig, Grundverkehrsgesetz als Hürde
  • Fazit: Nicht pauschal besser, aber für bestimmte Profile - vor allem Eigennutzer in ländlichen Regionen - sehr attraktiv

Vorteil Nr. 1: Niedrigere Grunderwerbsteuer

Der offensichtlichste Vorteil beim Immobilienkauf in Österreich ist die Grunderwerbsteuer: Sie beträgt einheitlich 3,5 % des Kaufpreises - in ganz Österreich, ohne Ausnahme. In Deutschland variiert der Satz dagegen erheblich zwischen den Bundesländern und reicht von 3,5 % in Bayern und Sachsen bis zu 6,5 % in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Schleswig-Holstein.

Bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro bedeutet das konkret:

Selbst im Vergleich zu Bayern oder Sachsen (ebenfalls 3,5 %) gibt es keinen Nachteil. Gegenüber den meisten anderen deutschen Bundesländern liegt Österreich klar vorne.

Land / Bundesland Grunderwerbsteuer Bei 400.000 € Kaufpreis
Österreich (alle Bundesländer) 3,5 % 14.000 €
Bayern, Sachsen 3,5 % 14.000 €
Baden-Württemberg 5,0 % 20.000 €
Hamburg 5,5 % 22.000 €
Berlin, Hessen 6,0 % 24.000 €
NRW, Brandenburg, Schleswig-Holstein 6,5 % 26.000 €
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Bei Übertragungen innerhalb der Familie (Ehepartner, Kinder, Enkel) gilt in Österreich ein vergünstigter Stufentarif: Auf die ersten 250.000 € fallen nur 0,5 % an. Dieser Vorteil besteht in Deutschland in dieser Form nicht - dort gibt es allerdings großzügige Freibeträge bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer.

Gesamtvergleich: Kaufnebenkosten Österreich vs. Deutschland

Die Grunderwerbsteuer ist nur ein Teil der Kaufnebenkosten. Der folgende Vergleich zeigt das Gesamtbild bei einem Kaufpreis von 400.000 Euro:

Kostenposition Österreich Bayern (DE) NRW (DE) Hamburg (DE)
Grunderwerbsteuer 3,5 % (14.000 €) 3,5 % (14.000 €) 6,5 % (26.000 €) 5,5 % (22.000 €)
Grundbucheintragung 1,1 % (4.400 €) ~0,5 % (2.000 €) ~0,5 % (2.000 €) ~0,5 % (2.000 €)
Notar 1-3 % + USt. (~9.600 €) ~1,5 % (6.000 €) ~1,5 % (6.000 €) ~1,5 % (6.000 €)
Makler (Käuferanteil) 3 % + USt. (14.400 €) 3,57 % (14.280 €) 3,57 % (14.280 €) 3,57 % (14.280 €)
Pfandrechtseintragung 1,2 % v. Kredit (3.840 €) ~0,5 % (1.600 €) ~0,5 % (1.600 €) ~0,5 % (1.600 €)
Gesamt (ca.) ~46.240 € (11,6 %) ~37.880 € (9,5 %) ~49.880 € (12,5 %) ~45.880 € (11,5 %)

Der Vergleich zeigt: Gegenüber Bayern sind die Nebenkosten in Österreich insgesamt etwas höher - die günstigere Grunderwerbsteuer wird durch höhere Grundbuch- und Notarkosten aufgezehrt. Gegenüber Hochsteuer-Bundesländern wie NRW bleibt jedoch ein deutlicher Vorteil bestehen.

ℹ️
Die höheren Notar- und Grundbuchkosten in Österreich gleichen den Grunderwerbsteuer-Vorteil gegenüber Bayern teilweise aus. Im Vergleich zu Bundesländern wie NRW, Brandenburg oder Schleswig-Holstein bleibt jedoch eine Ersparnis von mehreren tausend Euro.

Vorteil Nr. 2: Günstigere Immobilienpreise in vielen Regionen

Abseits von Wien und den touristischen Hotspots in Tirol und Salzburg bieten viele österreichische Regionen deutlich niedrigere Quadratmeterpreise als vergleichbare deutsche Lagen. Wer nicht auf eine Großstadt angewiesen ist, findet in Österreich oft mehr Wohnfläche für weniger Geld.

Regionale Preisvergleiche: Österreich vs. Deutschland

Region Österreich ∅-Preis/m² (Haus) Vergleichbare Region DE ∅-Preis/m² (Haus)
Steiermark (ohne Graz) ~2.200 € Baden-Württemberg (ländlich) ~3.200 €
Kärnten ~2.400 € Sachsen (Ballungsraum) ~2.600 €
Oberösterreich (ohne Linz) ~2.800 € Niederbayern ~3.500 €
Salzburger Land (Flachgau) ~4.500 € Oberbayern (ohne München) ~5.500 €
Tirol (Inntal) ~5.500 € München Umland ~6.500 €
Wien (Innenbezirke) ~6.000 € München (Stadt) ~8.500 €

Hinweis: Die Preise sind Durchschnittswerte und variieren je nach Lage, Zustand und Ausstattung erheblich. In Tirol und Salzburg können die Preise auf dem Niveau süddeutscher Hotspots liegen. Die größten Preisvorteile ergeben sich in der Steiermark, in Kärnten und im Burgenland.

⚠️
Wichtig: Wien ist keine günstige Alternative zu deutschen Großstädten. Die Preise in guten Wiener Lagen liegen auf dem Niveau von Hamburg oder Frankfurt. Der Preisvorteil Österreichs gilt vor allem für ländliche Regionen und mittelgroße Städte wie Graz, Linz oder Klagenfurt.

Vorteil Nr. 3: Steuerliche Attraktivität

Österreich bietet einige steuerliche Vorteile, die den Immobilienbesitz - insbesondere bei Vermietung - attraktiv machen. Eine detaillierte Analyse finden Sie im Artikel Steuerliche Attraktivität Österreichs.

Absetzung für Abnutzung (AfA): 1,5 %

Der AfA-Satz für vermietete Wohnimmobilien beträgt in Österreich 1,5 % pro Jahr (Nutzungsdauer 66,7 Jahre). In Deutschland liegt er bei 2 % (Altbau) bzw. 3 % (Neubau ab 2023). Auf den ersten Blick hat Deutschland hier den höheren Satz - allerdings hängt die tatsächliche Steuerersparnis von vielen weiteren Faktoren ab, darunter der persönliche Steuersatz und die absetzbaren Werbungskosten.

Hauptwohnsitzbefreiung bei Veräußerung

Wer eine Immobilie in Österreich als Hauptwohnsitz nutzt und dort mindestens zwei Jahre durchgängig wohnt, kann den Veräußerungsgewinn komplett steuerfrei realisieren. Diese Regelung ist besonders für Deutsche interessant, die nach Österreich umziehen und dort ihren Lebensmittelpunkt begründen.

Herstellerbefreiung

Wer eine Immobilie selbst errichtet (nicht gekauft!) und später verkauft, kann unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls von einer Steuerbefreiung beim Verkauf profitieren - unabhängig von der Haltedauer. Dieses Instrument gibt es in Deutschland in dieser Form nicht.

Vorteil Nr. 4: Lebensqualität als Zusatzargument

Neben den finanziellen Aspekten sprechen auch weiche Faktoren für den Immobilienkauf in Österreich:

Diese Faktoren machen Österreich besonders für Eigennutzer attraktiv, die nicht nur eine Geldanlage, sondern ein neues Zuhause suchen.

Finanzierungskonditionen im Vergleich

Die Zinssätze in Österreich und Deutschland liegen auf einem ähnlichen Niveau - beide Länder sind Teil der Eurozone und unterliegen der gleichen EZB-Geldpolitik. Dennoch gibt es Unterschiede in der Finanzierungspraxis:

Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied bei der Zinsbindung. Wo in Deutschland zehn bis fünfzehn Jahre Fixzins der Standard sind, arbeitet Österreich häufiger mit kürzeren Bindungen von fünf bis zehn Jahren - oder gleich mit variablen Krediten, die sich am EURIBOR plus Aufschlag orientieren. In Niedrigzinsphasen ist das ein Vorteil, bei steigenden Zinsen trägt das Risiko der Kreditnehmer.

Zwei weitere Punkte fallen zugunsten Österreichs aus: Kostenlose Sondertilgungen sind dort häufiger schon im Vertrag vorgesehen, und die Vorfälligkeitsentschädigung ist bei vorzeitiger Rückzahlung auf ein Prozent der zurückgezahlten Summe begrenzt - bei variablen Krediten entfällt sie oft ganz. Wer damit rechnet, den Kredit vorzeitig abzulösen, fährt in Österreich also günstiger.

Mehr zur Finanzierung über österreichische Institute erfahren Sie im Artikel Finanzierung bei österreichischen Banken.

💡
Deutsche, die in Österreich kaufen, können grundsätzlich auch bei einer deutschen Bank finanzieren. Allerdings tun sich viele deutsche Institute schwer mit grenzüberschreitenden Finanzierungen. Österreichische Banken wie Erste Bank, Raiffeisen oder Hypo Banken bewerten deutsches Einkommen in der Regel problemlos.

Kein Bestellerprinzip bei Maklern

In Deutschland gilt seit 2020 das Halbteilungsprinzip bei Kaufimmobilien: Die Maklerprovision wird hälftig zwischen Käufer und Verkäufer geteilt. In Österreich gibt es keine vergleichbare gesetzliche Regelung, die den Käufer automatisch entlastet.

In der Praxis bedeutet das:

Für Käufer ist das fehlende Bestellerprinzip tendenziell ein Nachteil. Allerdings sind die maximalen Provisionssätze in Österreich insgesamt niedriger als die in Deutschland üblichen 7,14 % (brutto, beide Seiten zusammen).

Die Nachteile ehrlich benannt

Ein fairer Vergleich muss auch die Schattenseiten des österreichischen Systems beleuchten. Und davon gibt es einige gewichtige Punkte, die Sie kennen sollten.

ImmoESt: 30 % ohne Spekulationsfrist

In Deutschland ist der Verkauf einer privat genutzten Immobilie nach 10 Jahren Haltedauer steuerfrei (bei Eigennutzung sogar nach 2-3 Jahren). In Österreich gibt es diese Spekulationsfrist nicht mehr. Seit 2012 fällt auf Veräußerungsgewinne eine pauschale Immobilienertragsteuer (ImmoESt) von 30 % an - und zwar unabhängig davon, wie lange Sie die Immobilie gehalten haben.

Ausnahmen: Die Hauptwohnsitzbefreiung (mindestens 2 Jahre durchgängig selbst bewohnt) und die Herstellerbefreiung können die ImmoESt vermeiden. Für reine Kapitalanleger ohne Eigenbezug gibt es jedoch kein Entkommen.

Rechenbeispiel: Sie kaufen eine Wohnung für 300.000 € und verkaufen sie 15 Jahre später für 450.000 €. In Deutschland: steuerfrei (Haltedauer > 10 Jahre). In Österreich: 30 % auf 150.000 € Gewinn = 45.000 € ImmoESt. Das ist ein erheblicher Nachteil für langfristige Kapitalanleger.

Kreditvergabe: höhere Anforderungen als in Deutschland

Von August 2022 bis Juni 2025 schrieb die KIM-Verordnung den österreichischen Banken drei Grenzwerte verbindlich vor. Seit ihrem Auslaufen am 30. Juni 2025 stehen dieselben Werte als Richtwerte im WIK-Rundschreiben der Finanzmarktaufsicht:

Der Eigenkapitalbedarf liegt damit höher als in Deutschland, wo Nebenkosten teilweise mitfinanziert werden und die Beleihung bis 100 % reichen kann. Seit Juli 2025 darf eine österreichische Bank im begründeten Einzelfall abweichen - ein Automatismus ist das aber nicht, und ohne Eigenmittel finanziert praktisch kein Institut. Details zur Eigenkapitalplanung finden Sie im Artikel Eigenkapital richtig planen.

Grundverkehrsgesetz als zusätzliche Hürde

In den meisten österreichischen Bundesländern benötigen ausländische Käufer - auch EU-Bürger - eine Genehmigung der Grundverkehrskommission. Das Verfahren dauert typischerweise 4-12 Wochen und kann insbesondere in Tirol und Vorarlberg restriktiv gehandhabt werden.

Für Zweitwohnsitze gelten in vielen touristischen Gemeinden besonders strenge Regelungen oder sogar vollständige Verbote. Wer eine Ferienimmobilie sucht, muss die lokalen Bestimmungen genau prüfen. In Deutschland gibt es keine vergleichbare Einschränkung für EU-Bürger.

Höhere Grundbuch- und Notarkosten

Die Grundbucheintragungsgebühr (1,1 %) und die Notar-/Anwaltskosten (1-3 % + USt.) liegen in Österreich tendenziell höher als in Deutschland. Das schmälert den Vorteil bei der Grunderwerbsteuer - insbesondere im Vergleich zu günstigen deutschen Bundesländern wie Bayern oder Sachsen.

Für wen lohnt sich Österreich besonders?

Der Immobilienkauf in Österreich ist nicht für jeden die bessere Wahl. Besonders attraktiv ist er für folgende Profile:

Weniger geeignet ist Österreich für:

Fazit: Differenziert betrachten, nicht pauschal bewerten

Österreich ist nicht pauschal besser oder schlechter als Deutschland für den Immobilienkauf. Es gibt klare Vorteile - allen voran die niedrigere Grunderwerbsteuer, günstigere Preise in vielen Regionen und die hohe Lebensqualität. Gleichzeitig setzen die ImmoESt, der hohe Eigenkapitalbedarf und das Grundverkehrsgesetz Grenzen, die es in Deutschland so nicht gibt.

Die Entscheidung sollte immer individuell getroffen werden. Prüfen Sie:

  1. In welchem deutschen Bundesland würden Sie alternativ kaufen? (Grunderwerbsteuer-Vergleich)
  2. Wollen Sie selbst einziehen oder vermieten? (ImmoESt-Relevanz)
  3. Wie viel Eigenkapital bringen Sie mit? (Richtwert: 20 % des Kaufpreises)
  4. Welche Region in Österreich kommt in Frage? (Preisniveau, Grundverkehrsrecht)

Lassen Sie sich nicht von einzelnen Vorteilen blenden, sondern betrachten Sie das Gesamtbild. Bei der richtigen Konstellation bietet Österreich hervorragende Möglichkeiten - bei der falschen kann der Kauf teurer und komplizierter werden als in Deutschland. Weiterführende Informationen finden Sie in unseren Artikeln zu Grunderwerbsteuer, Nebenkosten, steuerlicher Attraktivität und Zinssätzen.

Häufig gestellte Fragen

Das hängt stark von der Region und dem deutschen Vergleichs-Bundesland ab. Gegenüber teuren Bundesländern wie NRW oder Brandenburg sparen Sie bei der Grunderwerbsteuer erheblich. In vielen ländlichen Regionen Österreichs sind auch die Immobilienpreise niedriger. Allerdings liegen die Notarkosten und die Grundbucheintragungsgebühr in Österreich höher. Wien und Tirol sind zudem keine günstigen Alternativen zu deutschen Städten.

Der größte Nachteil ist die Immobilienertragsteuer (ImmoESt) von 30 % auf Veräußerungsgewinne - ohne zeitliche Begrenzung. In Deutschland ist der Verkaufsgewinn nach 10 Jahren Haltedauer (bei Eigennutzung nach 2-3 Jahren) steuerfrei. Für Kapitalanleger, die auf Wertsteigerung setzen, ist das ein erheblicher Nachteil. Eigennutzer können die ImmoESt durch die Hauptwohnsitzbefreiung (mindestens 2 Jahre durchgängige Nutzung) umgehen.

Grundsätzlich ja. Österreichische Banken wie Erste Bank, Raiffeisen oder Hypo Banken akzeptieren deutsches Einkommen und bewerten es regulär. Sie benötigen jedoch in aller Regel rund 20 % Eigenkapital, und die Kreditrate soll 40 % Ihres Nettoeinkommens nicht übersteigen. Mehr dazu im Artikel Finanzierung bei österreichischen Banken.

Die günstigsten Regionen sind die Steiermark (außerhalb von Graz), Kärnten, das Burgenland und Teile von Oberösterreich. Dort liegen die Quadratmeterpreise für Häuser oft bei 2.000-2.800 Euro - deutlich unter vergleichbaren süddeutschen Lagen. Teuer sind dagegen Wien, Tirol (besonders Inntal und Kitzbühel), Salzburg-Stadt und die Wörthersee-Region.

Die KIM-Verordnung ist am 30. Juni 2025 ausgelaufen. Ihre Kennzahlen - 90 % Beleihung, 40 % Schuldendienstquote, 35 Jahre Laufzeit - führt die Finanzmarktaufsicht seither im WIK-Rundschreiben als Richtwert weiter, und die Banken wenden sie in ihrer internen Risikopolitik an. Sie gelten für jeden Kredit einer österreichischen Bank, unabhängig von der Nationalität. Wer knapp kalkuliert, sollte die Finanzierung daher früh mit mehreren Instituten durchrechnen.