Das Wichtigste in Kürze

  • Bausparkassen (s Bausparkasse, Wüstenrot AT) haben oft Erfahrung mit deutschen Kreditnehmern
  • Raiffeisen- und Sparkassen-Filialen in Grenznähe sind besonders aufgeschlossen
  • Großbanken wie Erste Bank und Bank Austria finanzieren Deutsche bei guter Bonität
  • Reine Direktbanken lehnen ausländische Kreditnehmer häufig ab
  • Mindestens 20 % Eigenkapital plus Nebenkosten sind fast überall Pflicht
  • Die KIM-Verordnung gilt für alle österreichischen Banken gleichermaßen

Warum nicht jede Bank Deutsche finanziert

Die EU-Kapitalverkehrsfreiheit garantiert zwar grundsätzlich, dass Banken innerhalb der EU grenzüberschreitend Kredite vergeben dürfen, doch in der Praxis entscheidet jede Bank selbst über ihre Risikobereitschaft. Für österreichische Banken stellen deutsche Kreditnehmer ein erhöhtes Abwicklungsrisiko dar: Die Bonitätsprüfung ist aufwändiger (SCHUFA plus KSV), die Einkommensnachweise stammen aus einem anderen System, und im Falle eines Zahlungsausfalls ist die Durchsetzung von Forderungen über Landesgrenzen hinweg komplizierter.

Hinzu kommt, dass die KIM-Verordnung den Banken wenig Spielraum lässt. Die regulatorischen Anforderungen an Eigenkapital (LTV max. 90 %), Schuldendienstquote (DSTI max. 40 %) und Laufzeit (max. 35 Jahre) gelten für alle Kreditnehmer gleichermaßen. Banken, die ausländische Kunden finanzieren, müssen daher zusätzlichen Aufwand in die Prüfung investieren, ohne dass sie höhere Margen verlangen dürfen als bei vergleichbaren österreichischen Kunden.

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Grundsätzlich gilt: Je besser Ihre Voraussetzungen (hohe Eigenkapitalquote, stabile Einkommenssituation, saubere SCHUFA), desto mehr Banken stehen Ihnen offen. Eine Vollfinanzierung ist seit der KIM-Verordnung bei keiner österreichischen Bank mehr möglich.

Kategorie 1: Bausparkassen

Die österreichischen Bausparkassen gehören zu den wichtigsten Anlaufstellen für deutsche Immobilienkäufer. Das liegt zum einen an ihrer Tradition im Bereich der Wohnbaufinanzierung, zum anderen an ihrer vergleichsweise hohen Bereitschaft, auch internationale Kunden zu bedienen.

s Bausparkasse (Sparkassengruppe)

Die s Bausparkasse ist die größte Bausparkasse Österreichs und gehört zur Erste Group. Sie bietet sowohl klassische Bausparverträge als auch Wohnbaudarlehen an. Für deutsche Kreditnehmer ist die s Bausparkasse deshalb interessant, weil sie über die Sparkassen-Filialen in ganz Österreich erreichbar ist und Erfahrung mit grenzüberschreitenden Finanzierungen hat.

Wüstenrot Bausparkasse (Österreich)

Die Wüstenrot Bausparkasse AG ist die zweitgrößte Bausparkasse Österreichs. Viele Deutsche kennen den Namen von der deutschen Wüstenrot-Gruppe, doch die österreichische Wüstenrot ist ein eigenständiges Unternehmen. Die Bank hat eine lange Tradition in der Wohnbaufinanzierung und ist grundsätzlich offen für deutsche Kreditnehmer.

Raiffeisen Bausparkasse

Die Raiffeisen Bausparkasse ist Teil des Raiffeisen-Sektors und bietet neben klassischen Bausparverträgen auch Wohnbaudarlehen an. Die Beratung erfolgt über die Raiffeisenbanken vor Ort, was insbesondere in Grenznähe zu Deutschland ein Vorteil sein kann.

start:bausparkasse

Die start:bausparkasse (ehemals ABV) ist die kleinste der vier österreichischen Bausparkassen. Sie ist über das Bankhaus Krentschker und andere Partnerbanken erreichbar und kann ebenfalls eine Option für deutsche Kreditnehmer sein.

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Bausparkassen bieten in Österreich einen entscheidenden Vorteil: Die sogenannte Höchstbetragshypothek ermöglicht eine flexible Wiederausnutzung der Grundbuchsicherheit. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber zu den Vorteilen der österreichischen Immobilienfinanzierung.

Kategorie 2: Regionalbanken in Grenznähe

Besonders in den grenznahen Regionen Österreichs haben Regionalbanken umfangreiche Erfahrung mit deutschen Kunden. Diese Banken kennen die Bedürfnisse grenzüberschreitender Käufer und haben ihre Prozesse entsprechend angepasst.

Raiffeisenbanken in Tirol, Salzburg und Vorarlberg

Die Raiffeisenbanken im Westen Österreichs gehören zu den aktivsten Finanzierern für deutsche Immobilienkäufer. Das liegt an der geographischen Nähe zu Bayern und Baden-Württemberg sowie an der traditionell hohen Nachfrage nach Immobilien in diesen Regionen. Raiffeisenbanken sind genossenschaftlich organisiert und entscheiden vor Ort über Kreditvergaben, was kürzere Entscheidungswege ermöglicht.

Besonders hervorzuheben sind:

Sparkassen in Grenzregionen

Die Sparkassen sind über den Sparkassenverband mit der Erste Group verbunden, agieren aber regional eigenständig. Sparkassen in Salzburg, Tirol und dem Innviertel haben vielfach Erfahrung mit deutschen Kreditnehmern und bieten persönliche Beratung vor Ort.

Hypo-Banken (Landes-Hypothekenbanken)

Die Hypo-Banken der einzelnen Bundesländer sind traditionell starke Wohnbaufinanzierer. Ihre Bereitschaft, deutsche Kreditnehmer zu finanzieren, variiert jedoch. Grundsätzlich gelten die Hypo Tirol Bank und die Hypo Vorarlberg als aufgeschlossener gegenüber ausländischen Kreditnehmern als etwa die Hypo NOE (Niederösterreich).

Banktyp Region Bereitschaft für Deutsche Typische Eigenkapitalanforderung
Raiffeisenbank Tirol, Salzburg, Vorarlberg Hoch 20-25 %
Sparkasse Salzburg, Innviertel Mittel bis hoch 20-30 %
Hypo Tirol Tirol Mittel bis hoch 25-30 %
Hypo Vorarlberg Vorarlberg Mittel 25-30 %
Hypo NOE Niederösterreich Gering 30 %+

Kategorie 3: Großbanken

Die großen österreichischen Universalbanken verfügen über die notwendige Infrastruktur für grenzüberschreitende Finanzierungen und sind in der Regel bereit, deutsche Kreditnehmer zu bedienen, sofern die Bonität stimmt.

Erste Bank und Sparkassen

Die Erste Bank ist eine der größten Banken Österreichs und Muttergesellschaft der Erste Group, die in mehreren CEE-Ländern aktiv ist. Für deutsche Kreditnehmer bietet die Erste Bank den Vorteil einer professionellen, internationalen Ausrichtung. Die Bank hat standardisierte Prozesse für grenzüberschreitende Finanzierungen und akzeptiert in der Regel deutsche Einkommensnachweise.

Bank Austria (UniCredit)

Die Bank Austria gehört zur italienischen UniCredit-Gruppe und ist die zweitgrößte Bank Österreichs. Als Teil eines internationalen Konzerns hat die Bank Austria umfangreiche Erfahrung mit ausländischen Kreditnehmern. Die Prozesse sind stärker standardisiert als bei Regionalbanken, was Vor- und Nachteile hat: Die Abwicklung ist professionell, aber weniger flexibel bei Sonderfällen.

BAWAG

Die BAWAG (ehemals BAWAG P.S.K.) ist die drittgrößte Bank Österreichs. Sie hat in den letzten Jahren ihr Privatkundengeschäft modernisiert und bietet grundsätzlich auch Finanzierungen für Kunden mit Wohnsitz in Deutschland an. Die Anforderungen an Eigenkapital und Bonität sind tendenziell strenger als bei Regionalbanken.

Oberbank

Die Oberbank ist eine mittelgroße Bank mit Schwerpunkt in Oberösterreich, Salzburg und Bayern. Aufgrund ihrer Präsenz in Bayern hat sie umfangreiche Erfahrung mit deutsch-österreichischen Geschäftsbeziehungen und ist daher eine sehr gute Option für deutsche Immobilienkäufer.

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Bei Großbanken empfiehlt es sich, direkt die Abteilung für Wohnbaufinanzierung zu kontaktieren, nicht die allgemeine Filiale. Die spezialisierten Berater kennen die Besonderheiten grenzüberschreitender Finanzierungen und können den Prozess effizienter gestalten.

Warum Direktbanken oft ablehnen

Reine Online-Banken und Direktbanken lehnen Kreditanfragen von Kunden mit ausländischem Wohnsitz in der Regel ab. Die Gründe dafür sind vielfältig:

Zu den Direktbanken, die in der Regel keine grenzüberschreitenden Immobilienkredite vergeben, gehören beispielsweise die Dadat Bank, die Easybank und diverse Neobanken. Wenn Sie auf eine günstige Online-Finanzierung hoffen, sollten Sie stattdessen einen digitalen Kreditvermittler in Betracht ziehen, der mit mehreren Banken zusammenarbeitet und Ihnen passende Angebote vermitteln kann.

Der Prozess: Von der Anfrage bis zur Zusage

Unabhängig davon, welche Bank Sie wählen, läuft der Finanzierungsprozess für deutsche Kreditnehmer in ähnlichen Schritten ab:

1. Vorabprüfung der Finanzierbarkeit

Kontaktieren Sie die Bank und schildern Sie Ihr Vorhaben. Die Bank prüft zunächst grundsätzlich, ob sie Kunden mit Wohnsitz in Deutschland finanziert. Bereiten Sie eine kurze Zusammenfassung vor: Kaufpreis, Eigenkapital, Einkommen, gewünschte Laufzeit.

2. Unterlageneinreichung

Reichen Sie alle erforderlichen Dokumente ein. Dazu gehören Gehaltsnachweise, Steuerbescheide, SCHUFA-Auskunft, Kontoauszüge zum Nachweis des Eigenkapitals und das Immobilienexposé. Details finden Sie in unserem Ratgeber zu den Voraussetzungen.

3. Bonitätsprüfung

Die Bank führt eine doppelte Bonitätsprüfung durch: SCHUFA-Abfrage für Ihre deutsche Kredithistorie und KSV-Prüfung für den österreichischen Raum. Achten Sie darauf, dass die Bank eine Konditionsanfrage (SCHUFA-neutral) und keine Kreditanfrage stellt.

4. Objektbewertung

Die Bank lässt die Immobilie bewerten. Bei Regionalbanken in der Nähe des Objekts geht das oft schneller als bei einer Großbank in Wien, die einen externen Gutachter beauftragen muss.

5. Kreditentscheidung und Vertragsschluss

Bei positivem Ergebnis erhalten Sie ein Kreditangebot. In Österreich haben Sie nach Erhalt des Kreditvertrags ein 14-tägiges Rücktrittsrecht. Der Kredit wird durch eine Hypothek im Grundbuch besichert.

Anforderungen der Banken im Überblick

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die typischen Anforderungen verschiedener Banktypen an deutsche Kreditnehmer:

Anforderung Bausparkasse Regionalbank Großbank
Min. Eigenkapital 20 % 20-25 % 25-30 %
AT-Bankkonto nötig Ja (bei Abschluss) Ja (bei Abschluss) Ja (bei Abschluss)
Persönlicher Termin Oft ja Ja Meist ja
SCHUFA-Auskunft Erforderlich Erforderlich Erforderlich
Deutsche Nachweise akzeptiert Ja Ja Ja
Online-Erstberatung Teilweise Selten Oft
Bearbeitungsdauer 4-6 Wochen 3-6 Wochen 4-8 Wochen
Unabhängig vom Banktyp benötigen Sie für die Finanzierung einer Immobilie in Österreich ein ausreichendes Eigenkapital. Die KIM-Verordnung schreibt mindestens 10 % vor, in der Praxis sollten Sie mit 20-30 % plus Nebenkosten rechnen.

Tipps für die Bankauswahl

Mehrere Angebote einholen

Holen Sie mindestens drei Angebote von verschiedenen Banktypen ein. Die Konditionen können sich deutlich unterscheiden, nicht nur beim Zinssatz, sondern auch bei Bearbeitungsgebühren, Kontoführungskosten und der Flexibilität bei Sondertilgungen.

Regionale Nähe nutzen

Wenn Ihre Wunschimmobilie in einer Grenzregion liegt, nutzen Sie die Nähe zu lokalen Banken. Eine Raiffeisenbank in Salzburg kennt den lokalen Immobilienmarkt besser als eine Großbank in Wien und kann die Bewertung schneller durchführen.

Kreditvermittler als Alternative

Unabhängige Kreditvermittler (Finanzierungsberater) arbeiten mit mehreren Banken zusammen und können Ihnen passende Angebote vermitteln. Sie kennen die Anforderungen der einzelnen Institute und wissen, welche Bank für Ihren konkreten Fall am besten geeignet ist. Die Vermittlungsprovision wird in der Regel von der Bank bezahlt.

Auf Erfahrung mit deutschen Kunden achten

Fragen Sie bei der Bank explizit nach, ob sie Erfahrung mit deutschen Kreditnehmern hat. Banken, die regelmäßig grenzüberschreitende Finanzierungen abwickeln, haben standardisierte Prozesse und können den Ablauf effizienter gestalten.

Sonderfälle und Besonderheiten

Selbstständige und Freiberufler

Für Selbstständige mit Wohnsitz in Deutschland ist die Bankauswahl noch eingeschränkter. Die meisten Banken verlangen mindestens drei Jahre Selbstständigkeit und entsprechende Steuerbescheide. Regionalbanken sind hier oft flexibler als Großbanken.

Ferienimmobilien und Zweitwohnsitze

Bei reinen Ferienimmobilien oder Zweitwohnsitzen erhöhen viele Banken die Eigenkapitalanforderung auf 30-40 %. Einige Banken finanzieren Ferienimmobilien für ausländische Kunden grundsätzlich nicht.

Anlageimmobilien (Vermietung)

Bei Kaufobjekten, die vermietet werden sollen, berücksichtigen die Banken die zu erwartenden Mieteinnahmen bei der Bonitätsprüfung. Allerdings werden in der Regel nur 70-80 % der prognostizierten Miete angerechnet.

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Wenn Sie eine Immobilie zur Vermietung kaufen und dafür in Österreich steuerpflichtig werden, kann ein österreichisches Bankkonto aus steuerlichen Gründen sinnvoll sein. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel Finanzierung ohne österreichisches Bankkonto.

Häufig gestellte Fragen

Es gibt keine pauschal beste Bank. Die optimale Wahl hängt von Ihrer persönlichen Situation ab: Lage der Immobilie, Eigenkapitalquote, Einkommenssituation und gewünschte Kreditlaufzeit. Bausparkassen und Regionalbanken in Grenznähe sind oft besonders aufgeschlossen, während Großbanken bei höheren Finanzierungsvolumina Vorteile bieten können.

In der Regel nicht. Reine Direktbanken und Online-Banken lehnen Kreditnehmer mit ausländischem Wohnsitz fast immer ab. Der Grund liegt in den standardisierten Prozessen, die keine individuelle Prüfung grenzüberschreitender Fälle vorsehen. Nutzen Sie stattdessen Filialbanken oder unabhängige Kreditvermittler.

Ja, spätestens bei Abschluss des Kreditvertrags müssen Sie in der Regel ein Konto bei der finanzierenden Bank oder einer österreichischen Partnerbank eröffnen. Die Kreditraten werden von diesem Konto abgebucht. Dank SEPA ist die Überweisung vom deutschen Konto auf das österreichische Konto problemlos und kostenfrei möglich.

Die Bearbeitungsdauer liegt typischerweise zwischen 3 und 8 Wochen. Regionalbanken sind oft schneller (3 bis 6 Wochen), während Großbanken etwas länger brauchen können (4 bis 8 Wochen). Bei vollständiger Unterlageneinreichung und guter Bonität geht es schneller.

Grundsätzlich gelten die gleichen Zinssätze wie für österreichische Kreditnehmer. Die individuelle Marge hängt von Ihrer Bonität, dem Eigenkapitalanteil und der gewählten Zinsbindung ab. Bei niedrigerem Eigenkapital oder komplexerer Einkommenssituation kann die Marge etwas höher ausfallen, unabhängig von der Nationalität.

Mindestens ein persönlicher Banktermin ist bei den meisten Banken erforderlich, insbesondere für die Legitimationsprüfung. Einige Banken bieten eine Erstberatung per Video an, für den eigentlichen Vertragsabschluss und die notarielle Beglaubigung müssen Sie jedoch in der Regel nach Österreich reisen.